Der Charakter meines Kindes: sensibel und willensstark – hochsensible Kinder

Babys entwickeln sich nicht mit der Zeit zu hochsensiblen Kindern, sondern werden mit dieser Charaktereigenschaft geboren.

Als Eltern eines Neugeborenen ist man regelmäßig auf der Suche nach Gemeinsamkeiten mit dem Baby. Sieht es aus wie die Mama oder der Papa? Hat es die Ohren von der Oma oder die Augenform von Opa? Immer wieder erwischt man sich und das Umfeld bei der äußerlichen Analyse. Die Frage nach dem Character stellt man eher hinten an.

Bei unserem ersten Sohn hatte ich beim nächtlichen Stillen das Gefühl ich würde eine Kopie von mir als Baby in den Armen halten, dabei haben alle in meinem Umfeld, selbst mein Mann geschworen er wäre wie der Papa als Mini. Bei uns kam jedoch ziemlich bald die Frage, von wem er den Charakter hat.

Februar 23, 2024

Ein hochsensibles Neugeborenes

Unser Erstgeborener war sehr sensibel als Baby und heute ist er sehr willensstark. So würde man das heute wahrscheinlich fachlich beschreiben. Als Eltern müssen wir zugeben, dass er vom ersten Tag nach der Geburt ein Schreikind war. Er hat die Nächte durchgeschrien, war von 22:00 Uhr bis 1:00 Uhr am Weinen, hat sich nicht ablegen lassen, konnte nur in der Trage oder auf meiner Brust schlafen, außerdem wurde er spätestens alle 90 Minuten wach. Unsere Hebamme hatte uns getröstet, dass es erste Anpassungsschwierigkeiten sind und mit ca. vier Monaten besser wird.

Auch mit vier Monaten aufwärts wurde es nicht besser, aber anders. Er hat langsam gelernt mittags auch mal 15-30 Minuten zu schlafen, ohne dass ich ihn auf dem Arm oder in der Trage hatte. Nachts verschoben sich die Wachphasen auf 2:00-4:00 Uhr. Mit ca. acht oder neun Monaten wollte er nachts lieber spielen als schlafen. Wurden seine Wünsche nicht erfüllt, gab es lauten Protest.

Ein hochsensibles Kleinkind

Heute ist unser kleiner Schatz fünf Jahre alt und alle Erfahrungen, die wir damals gemacht haben, sehen wir heute noch in seinem Charakter. Er hat sich nicht geändert, aber er kann seine Bedürfnisse oft besser formulieren. Wir haben heute noch häufig mit Wutausbrüchen zu kämpfen, weil er nicht das bekommt, was er will oder weil er etwas nicht machen möchte. Er ist grundsätzlich erstmal ein „Nein“-Kind. Auf alle Fragen und Vorschläge wird zunächst mit Ablehnung reagiert.

Wobei ich zugeben muss, dass es manche (noch) seltenen gute-Momente gibt, in denen er sich auf etwas oder über etwas freut, dann strahlen seine Augen und er ist voller Entzückung. Das macht uns als Eltern besonders glücklich ihn so freudig zu sehen. Er ist hochsensibel in Bezug auf negative, aber auch positive Erlebnisse.

Ein Beispiel aus dem Leben mit einem hochsensiblen Kind

Ich wünsche allen Eltern, die so ein hochsensibles und willensstarkes Kind haben, dass sie die Kraft und Geduld mit sich bringen, um die schwierigen „Nein“-Momente zu bewältigen. Außerdem, dass sie es schaffen die Außenwelt auszublenden, denn auch hier gibt es den Spießrutenlaufen. Eine klassische Filmsituation: Eltern gehen mit ihrem Kindergartenkind in einem Supermarkt einkaufen. Das Kind wird vom tollen Angebot angelockt und will entweder was Süßes oder ein Spielzeug, die Eltern erlauben dies nicht (aus welchen Gründen auch immer, entweder es hatte schon etwas oder das Spielzeug soll nicht erworben werden oder oder oder…). Die Folge ist, dass das Kind sich schreiend auf den Boden schmeißt und eine riesige Szene macht. Alle in der Umgebung drehen sich um, manche gucken blöd, andere geben ein Kommentar ab, welcher den Eltern nicht hilft. In jedem Fall werden die Ruhe und Geduld der Eltern auf die Probe gestellt.

In solchen Situationen gibt es zwei Möglichkeiten, die helfen können. Entweder man lässt das Kind schreien und sich abreagieren oder man verlässt den Supermarkt, damit der Ortswechsel das Kind ablenkt. Beide Alternativen sind nicht befriedigend, weshalb ich persönlich mittlerweile allein einkaufen gehe, während die Kinder in der Kita sind.

Was zeigt diese Beschreibung?

Auch wir Eltern können lernen mit der Situation umzugehen. Wir können selbst entscheiden, wie wir auf das Kind und die herausfordernde Situation eingehen. Wir haben auch die Möglichkeit die Situation zu umgehen oder es gar nicht dazu kommen lassen. Wie beschrieben gehe ich, wenn möglich allein einkaufen. Wenn die Kinder dabei sind, dann dürfen sie sich was Kleines aussuchen. Manche Aktivitäten lassen wir bewusst aus, bis die Kinder älter sind. Zum Beispiel gehen wir mit den Kindern nicht ins Restaurant, weil wir wissen, dass es für alle Beteiligten eine Zumutung wird. Es ist unser Recht als Eltern zu entscheiden, wie wir den Alltag möglichst gut bewältigen.

Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die kleinen Menschen in unserem Umfeld weiterentwickeln und die Welt entdecken. Sie haben eine individuelle Sichtweise darauf, eben ganz nach ihrem Charakter!

Kleine Hilfestellungen und Tipps bei hochsensiblen Kindern:

Hier ein paar Tipps, was man bei willensstarken oder hochsensiblen Kindern beachten sollte:

  • Häufig entscheidet die Art wie man etwas sagt über Lust oder Frust, eine positive und fröhliche Formulierung hilft, dass das Kind etwas macht.
  • Wettkampf fördern. Auch wenn viele Eltern gegen den Wettkampfgedanken bei Kindern sind, so hat uns diese Idee häufiger geholfen eine Situation ohne Ärger zu bewältigen: Wer sich am schnellsten die Hände gewaschen hat VS. „Wasch dir die Hände“; Wer sich am schnellsten zur Kita anziehen kann VS. „Zieh dich an“; Wer sammelt die meisten Spielsachen ein VS. „Räum die Spielsachen auf“.
  • Lob aussprechen und das Kind in der Situation motivieren.
  • Eine Tätigkeit machen und das Kind um Hilfe bitten anstatt es auffordern diese Aufgabe zu erledigen.
  • Die Stimmung des Kindes feststellen, bevor eine Aktivität angefangen wird: ist das Kind müde und gereizt wird auch die schönste Idee keinen Erfolg bringen und mit großer Sicherheit eskalieren.

Bitte macht euch bewusst, dass ihr als Eltern mit euren Kindern entscheidet, wie euer Alltag aussehen soll. Außenstehende, auch Eltern die sehr pflegeleichte Kinder haben, werden nicht verstehen, was ihr durchmacht. Deshalb ist auch ein Urteil dieser für euch nicht relevant.

Aktuell ist das Verhalten unseres hochsensiblen Kindes wieder ein großes Thema. Wie erziehe ich dieses Kind richtig, ohne dauernd schimpfen zu müssen, ohne auf jegliche Aktivitäten verzichten zu müssen, ohne dass das Kind täglich in Wutausbrüche gerät oder wegen einem „Nein“ weint. Am Ende des Tages muss man seinen individuellen Weg finden, auf der Reise dorthin wird man alles ausprobieren, was Hilfe verspricht. Das war bi dem Baby so und das wird auch bei dem Kleinkind oder Schulkind so sein.

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